E.T.A. Hoffmann-Gymnasium Bamberg

Musisches Gymnasium

Pula 2015

k02Meeresbiologisches Praktikum in Kroatien
(Nachtrag)

Die Meeresbiologie beschäftigt sich mit dem größten Lebensraum unseres Planeten, von dem wir weniger wissen als über das Weltall. Um diese faszinierende und für uns Menschen und den gesamten Planeten überaus wichtige Welt kennen zu lernen, machten sich am 26.07.2015 um 23.55 Uhr 24 Schülerinnen und Schüler der Q11 zusammen mit ihren Lehrern Dr. Bail und Frau Knötig auf, um an die Meeresschule Valsaline in Pula an der Südspitze der kroatischen Halbinsel Istrien zu fahren. Nach etwas mehr als zwölf Stunden erreichten wir unser Ziel, bezogen sofort unsere Zimmer in der Jugendherberge und nahmen das Mittagessen ein. Gleich danach gingen wir zur benachbarten Meeresschule und wurden von Tessa, der Leiterin einiger Programmpunkte, begrüßt. Nach einer Mittagspause und einer ersten Erkundung des zur Jugendherberge gehörigen Strandes erkundeten wir die historische Innenstadt Pulas mit seinen alten Tempeln und dem großen Amphitheater. Nach dem Abendessen in der Stadt und einem kurzen Bummel ging es dann zurück in die Unterkunft und dann auch bald ins Bett, um für das Programm der nächsten Tage ausgeruht zu sein. (Dr. Bail)

Der erste Morgen unter der kroatischen Sonne begann mit einem Frühstück um 8 Uhr. Heute soll geschnorchelt werden. Schon morgens sorgte der Sonnenschein für eine angenehme Wärme. Um viertel vor Neun brachen allesamt zur Meeresschule auf, welche sich nur etwa 5 min Fußmarsch benachbart zur Jugendherberge befindet und wurden herzlich von den Mitarbeitern empfangen. In unserem ersten von Tessa gestalteten Vormittagsprogramm lernten wir die Entstehung des europäischen Mittelmeers kennen, sowie die verschiedenen Lebensräume der Bucht Valsaline, an welcher wir schnorchelten. Schwämme, Anemonen, Fische, Krebse und Seegräser, all dies wurde erklärt. Auf den theoretischen Teil folgte nun der praktische. Wir wurden in kleine Gruppen eingeteilt und übten uns im „Trockenschnorcheln". Die ersten Versuche im Wasser wurden durchgeführt und der Meeresboden geduldig beobachtet.
Nach der zweistündigen Mittagspause versammelten sich alle um 14 Uhr wieder an der Meeresschule, um das Nachmittagsprogramm zu beginnen. Wir wurden von Sandra in fünf Gruppen eingeteilt, welchen jeweils eine maritime Tierart zugeordnet wurde. Felsgarnele, Seespinne, Seegurke, Strandkrabbe und der Violette Seeigel sollten behutsam gefangen werden. Anschließend erarbeiteten die einzelnen Gruppen mit Hilfe von zusätzlichem Infomaterial kurze Präsentationen der Tiere. Diese fand im Labor mit Hilfe einer Live-Kamera statt, welche die Tiere überlebensgroß auf der Leinwand darstellen konnte, so dass auch die kleinsten Strukturen und Körperteile sichtbar wurden. Das Nachmittagsprogramm endete um 17 Uhr, so dass wir bis zum Abendessen um halb sieben noch kurz Einkäufe erledigen konnten. (Karin Magiera, Lea Gehrig)

Auch am zweiten Programmtag trafen wir uns nach dem Frühstück um 9 Uhr an der Meeresschule. Der Vormittags stand im Zeichen des „Planktons". Zunächst gab uns Tessa Basisinformationen über das Plankton, z. B. dass es sich selbst nicht gegen eine Strömung richten kann (im Gegensatz zum Nekton) und dass man zwischen Phyto- (pflanzliches) und Zooplantkon (tierisches) unterscheidet. Weiterhin lässt es sich einteilen in Holoplankton (Organismen, welche ihr gesamtes Leben als Plankton verbringen, z. B. viele Quallen oder Hüpferlinge) und Meroplankton (im Larvenstadium plantkisch, ansonsten nektisch oder seesil wie Fische oder Anemonen). Nach einem kurzen Darstellungsfilm erhielten wir die Aufgabe, selbst Proben zu nehmen. Durch die Maschengröße des verwendeten Netzes erhielten wir vor allem Zooplankton. Dazu wurden wir in fünf Gruppen zu jeweils vier-fünf Personen eingeteilt, welche jeweils langsam ein Planktonnetz durch das Wasser zogen (siehe Bild). Die Proben untersuchten wir anschließend mit Binokularen, zeichneten und bestimmten die gefundenen Mikroorganismen. Wir waren sehr überrascht, wie vielfältig Plankton sein kann, und hatten großen Spaß beim binokulieren.
Nach einer zweistündigen Mittagspause fuhren wir mit dem Nachmittagsprogramm fort, welches die Untersuchung der Felsküste und der Gezeitenzone zum Thema hatte. Hier erfuhren wir unter anderem, dass man die Küste in drei Zonen unterteilt: Der direkt an das Meer grenzende Bereich wird als schwarze Zone bezeichnet (durch Cyanobakterien dunkel gefärbt); es folgen die graue und die weiße Zone. Doch bei der Theorie blieb es nicht: In Kleingruppen vermaßen wir die Länge bzw. den prozentualen Anteil der verschiedenen Zonen unseres Küstenabschnittes, untersuchten die Gezeiten, Spritz- und Sprühwassertümpel der verschiedenen Zonen und beobachteten die dort vorkommenden Tiere, wie z. B. die Napfschnecke, Pferdaktinie oder Seepocken, die sich vor allem an die schwarze Zone angepasst haben.
Nach diesem zweiten Programmpunkt und einem leckeren Abendessen ließen wir den Abend gemütlich beim Werwolf- und Schafkopfspielen ausklingen. (Philipp Roppelt, Alexander Köpf)

Tag vier in Pula und unsere wunderschöne Reise neigt sich langsam dem Ende zu. Nach einem ausgiebigen Frühstück brachen wir zur Meeresschule auf, wo Sandra aund Flo für uns bereits ein spannendes Fischprogramm am Vormittag vorbereitet haben. Bevor wir auf eigene Faust die Unterwasserwelt erkunden und Fische fangen durften, machte uns Sandra in der Theorie mit der Fischwelt vertraut, weshalb wir jetzt „Profis" im Unterscheiden von Brassen, Grundeln, Spitzkopfschleimfischen, Echten Schleimfischen und Lippfischen sind. Da Wolken aufgezogen waren und das Wasser somit nicht die gewohnte Badewannentemperatur hatte, fiel es einigen von uns heute schwerer, sich längere Zeit im Wasser aufzuhalten. Ziemlich enttäuscht, durchfroren und erschöpft kamen die meisten ohne Fangerfolg wieder aus dem Wasser. Doch zwei machten das Unmögliche möglich: Herr Bail und Flo brachten gleich ganze vier Fische an Land, die wir danach mit unserem neu erworbenen Wissen genauestens identifizierten. Zurück in der Meeresschule klärte uns Sandra engagiert mit Hilfe eines Filmes über Ursachen und Auswirkungen des industriellen Fischerei auf und machte uns klar, wie auch unser Handeln das Gleichgewicht der Ökosysteme in Mitleidenschaft zieht und was jeder persönlich dagegen tun kann – z. B. nur Fisch essen, der nicht überfischt ist (Smartphone und Apps können darüber informieren) oder zuhause bewusst regionale und saisonale Produkte essen.
Der zweite Teil des Tages nach dem Mittagessen bestand daraus, sessile Tiere näher kennen zu lernen. Sessile Tiere sind Tiere, die dauerhaft auf festem Untergrund sesshaft sind, unter anderem manche Krebse (Seepocken), Anemonen (Gelbe Krustenanemone, Pferdeaktinie)oder Schwämme. Diese erzeugen entweder selbst einen Wasserstrom (aktive Filtrierer) oder die Strömung führt ihnen die Nahrung zu (passive Filtrierer), welche mit Hilfe verschiedener Fangvorrichtungen aus dem Wasser gefiltert wird.
Mit diesen Vorkenntnissen, Neoprenanzug und Schnorchelausrüstung fuhren wir in Kleingruppen per Boot zur Halbinsel Stoja, um dort beschattete und unbeschattete Felswänder unter Wasser und die Verteilung der sessilen Tiere und der Algen zu untersuchen. Wie immer war Herr Bail als „Unterwasser-Paparazzo des Meeres" unterwegs, damit alle interessanten Momente festgehalten werden konnten.
Zur Abrundung dieses ereignisreichen Tages gingen wir dann alle gemeinsam Pizza essen.
(Lisa-Marie Sparrer, Jasmin Burg, Elina Fahrenbruch, Julia Artes)

Nach dem doch recht windigen Frühstückmachten wir uns gemeinsam auf den uns inzwischen gut bekannten Weg zur Meeresschule. Dort erklärte uns Sandra, wie eine Meeresgrotte aufgebaut ist, welche Lebewesen wir dort zu erwarten und was wir bei unserer Schnorcheltour durch die Grotte zu beachten hätten. Zu dieser machten wir uns auch sofort, auf Boote und den Meeresschulbus aufgeteilt, auf. Angekommen, erwartete uns eine spektakuläre Unterwasserwelt - sowohl vor der Grotte, wo wir viel Fische und Algen trafen, als auch in der Grotte, wo wir farbenfrohe sessile Tiere wie die Gelbe Krustenanemonen, Bäumchenpolypen oder der Nierenschwamm sehen konnten. Auch wurde uns der Einfluss verschiedener abiotischer Faktoren (Wellengang, Strömung, Licht) auf die Verteilung der verschiedenen Lebensformen näher gebracht.
Nach dem Mittagessen machten Helene, Flo und Michael ein Quiz mit uns, in dem die „Aktiven Filtrierer" gegen die „Schlaukopf-Schleimfische" antraten. Nicht nur ein Wissensquiz, sondern auch Bilderrätsel, Pantomime und Wasserwettkämpfe mussten gemeistert werden. Danach waren wir noch gemeinsam am Steg schwimmen, wo uns nicht nur Constantins dreifacher Sieg über Herrn Bail im Ringkampf zum Lachen brachte.
Zum Abschluss dieser tollen und erfahrungsreichen Woche an der Meeresschule beschlossen wir mit einem gemeinsamen Grillen mit unseren Betreuern von der Meeresschule, wobei nicht nur Gemüse und Fleisch auf den Grill kam, sondern auch frisch gefangene Brasse – ein Tier über dessen Lebensraum wir in den letzten Tagen viel erfahren haben, und den es gilt zu schützen und für die nächsten Generationen zu erhalten.
Bericht: Julian Becker