E.T.A. Hoffmann-Gymnasium Bamberg

Musisches Gymnasium mit Lang- und Kurzform

Abenteuer Buttenheim

Oder: 45 Minuten Wartezeit für drei Minuten Zugfahrt! kIMG 0150

Das Abenteuerliche des Treffens mit dem Wahlkurs „Abenteuer Museum“ im April war nicht (nur) die Geschichte des „Vaters“ der Blue Jeans, dessen Geburtshaus wir besuchten, sondern bereits die Fahrt dorthin.

Um nicht allzu weit laufen zu müssen (die S-Bahn-Haltestelle liegt in Altendorf, ein Teilnehmer war mit Krücken unterwegs), wollten wir mit dem (Schul-)Bus fahren. Laut Fahrplan kein Problem, einmal umsteigen, direkte Ankunft Buttenheim Ortsmitte, nur wenige Schritte zum Levi-Strauss-Museum. Weit gefehlt! Der Bus kam schon fast 15 Minuten zu spät, schlängelte sich danach gemütlich durch die Stadt und viele Dörfer - und der Anschluss in Sassanfahrt war unerreichbar. Kein Problem, so der Fahrer, die S-Bahn in Hirschaid schaffen wir bestimmt. Nur fehlten am Ende dann doch 12 Minuten - und die S-Bahnen fahren nur stündlich. Begehrliche Blicke folgten dem durchrauschenden Regionalexpress, nicht einmal eines der vielen Taxi-Unternehmen im Umkreis war dazu bereit, uns zu chauffieren … also hieß es warten, warten, warten … und dann, nach ca. drei Minuten Zugfahrt, laufen, laufen, laufen. Zum Glück gab es im Levi-Strauss-Museum nicht nur einen überaus netten und geduldigen jungen Mann an der Kasse, der uns schon während der Wartezeit per Telefon beruhigte (das Museum hatte an diesem Tag extra für unsere Gruppe geöffnet!), sondern auch einen sehr engagierten jungen Mitarbeiter von AGIL, der eine Stunde lang auf uns wartete und das gebuchte Programm trotz Verspätung in voller Länge für uns gestaltete. Ganz herzlichen Dank allein schon für diese Leistung! Abenteuerlich wurde es dann doch, wie wir uns in das Leben armer jüdischer Mitbürger im 19. Jahrhundert hineinversetzen durften. Felix führte uns die Tätigkeit des Vaters von Levi Strauss als Hausierer anschaulich durch einen bunt gefüllten Bauchladen vor Augen - und auch die Not der Familie, für die nach dem Tod des Vaters 1846 die Auswanderung ein letzter Ausweg war, zumal schon zwei ältere Söhne in Amerika lebten. Dass die Anfänge im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ dennoch nicht einfach waren, lässt sich unschwer nachvollziehen, vielleicht auch, dass man in einer solchen Situation besonders kreativ und geschäftstüchtig sein muss. Und so entstand in San Francisco im Zuge des „Goldrauschs“ ein erstes Handelshaus für Stoffe, Bekleidung und andere Dinge, die man als Pionier, Minenarbeiter oder Goldwäscher im „Wilden Westen“ so brauchte. Bekannt freilich wurde Levi Strauss, der eigentlich 1829 als Löb Strauss in Buttenheim geboren worden war, durch die „Erfindung“, besser die „Vermarktung“ der Jeans, damals strapazierfähige blaue Arbeitshosen, die der Schneider Jacob Davis mit Nieten verstärkt hatte. 1873 erhielten beide Männer das Patent auf dieses Verfahren. Typische Kennzeichen der ersten Jeans waren die gelben oder orangenen Nähte, eine Gesäßtasche, eine Uhrentasche, Hosenträgerknöpfe am Bund, der geknöpfte Hosenlatz und der Schriftzug „Levi Strauss Co“ auf den Knöpfen, ab 1886 kam das „Two Horse Brand“ als Qualitätskennzeichen hinzu: Nicht einmal zwei Pferde schaffen es, eine echte „Levi’s“ zu zerreißen! Wie belastbar Jeans sind, konnten wir per „Reißtest“ selbst beweisen. Dass diese derbe Arbeitskleidung einmal modisch werden sollte, daran dachte zunächst niemand – ein kleiner Film im Medienraum zeigte, wie in den 50er- und 60er Jahren die Jeans zum Ausdruck des Protests und bald schon zum „Kultobjekt“ der Jugend wurden.

Als praktische Aktion durfte sich jeder am Ende ein Armband weben und konnte dabei seine Feinmotorik und Ausdauer unter Beweis stellen. Ein letztes „Zuckerl“ war die Sonderausstellung „Judentum in Buttenheim“, die das Jubiläumsjahr der Gemeinde (900 Jahre) seit einigen Wochen bereichert. In einem eigenen Raum wird die Geschichte der jüdischen Gemeinde vorgestellt (1820 war jeder fünfte Buttenheimer jüdischen Glaubens!), man kann aber auch verschiedene Exponate zur jüdischen Kultur bewundern und sich durch Informationstafeln des Lehrstuhls Judaistik von der Uni Bamberg über das Judentum schlau machen. Besonders aufschlussreich war ein Modell, das zeigte, in welchen Häusern Buttenheims im 19. Jahrhundert jüdische Familien wohnten und welchen Tätigkeiten sie nachgingen. Sehr lebenspraktisch und anschaulich erklärte uns Felix die jüdischen Speisevorschriften.

Nach einem weiteren Fußmarsch zum Bahnhof – gestärkt durch eine Runde Eis am Stiel - durften wir erneut auf unsere Verbindung warten, da diesmal die S-Bahn etwas Verspätung hatte …

Bericht und Fotos: Angela Kestler