E.T.A. Hoffmann-Gymnasium Bamberg

Musisches Gymnasium mit Lang- und Kurzform

Von Kassel lernen!

Kunstkurse des E.T.A. besuchen "documenta14" in Kassel

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Seit Arnold Bode im Jahre 1955 als Beiprogramm zur Bundesgartenschau in Kassel die erste Ausstellung mit Werken der im Nationalsozialismus verfemten Klassischen Moderne unter dem Namen Documenta ausgerichtet hat, setzt diese Maßstäbe. Inzwischen alle fünf Jahre stattfindend, gilt sie als die bedeutendste Ausstellung zeitgenössischer Kunst. Konzept und Auswahl der Künstler liegen stets in den Händen von Kuratoren, die das Aussehen der Ausstellung prägen. In den letzten Jahrzehnten fand im Zuge der Globalisierung eine deutliche Abkehr vom Eurozentrismus und eine starke Öffnung für Künstler aus bis dahin kaum repräsentierten Ländern statt. Dies gilt in besonderer Weise für die jetzige Documenta 14. Inhaltlich dominieren Arbeiten, die sich mit der problematischen Weltlage beschäftigen: Wirtschaftliche Probleme, Migration, Flucht, Vertreibung, Kriege, ethnische Unterdrückung, Terror. Der Leiter Adam Szymczyk verlegte sogar – und für eine Documenta bisher einmalig – das Geschehen zur Hälfte in das krisengeschüttelte Athen unter dem provokanten Titel „Von Athen lernen“! Spektakulärstes, sichtbares Zeichen dieser länderverbindenden Geste in Kassel und inzwischen zum „Wahrzeichen“ der diesjährigen Schau mutiert, ist der vor dem traditionellen Hauptgebäude, dem Fridericianum, platzierte, maßstabsgetreue Nachbau des Parthenontempels der argentinischen Künstlerin Marta Minujin. Bereits 1981 in Argentinien als Protest gegen die Zensur des damaligen Militärregimes realisiert, besteht die Verkleidung des Gerüsts aus tausenden von verbotenen Büchern. Die Kasseler Variante soll an die Bü-cherverbrennung der Nazis an diesem Ort in den 30er Jahren erinnern. Sie entstand durch die Mitwirkung der Bevölkerung, die aufgerufen waren, Bücher zu spenden, die irgendwann einmal in einem Land verboten waren. Erstaunlich, wodurch sich Machthaber gefährdet fühlten! Zu finden sind z. B. „Der kleine Prinz“, „Moby Dick“, Bücher von Karl May und Goethe. Wie aktuell die Arbeit ist, zeigt die Zeitungsmeldung, die heute einen Tag nach unserer Fahrt zu lesen war: Die chinesische Regierung hat die Lektüre des Kinderbuchs „Pu der Bär“ verboten! Für die Kunstkurse des E.T.A. bot die Schau eine einmalige Gelegenheit, sich mit sehr verschiedenen künstlerischen Positionen und medialen Umsetzungen auseinander zu setzen. Als Einstieg fungierten die von speziellen Guides geleiteten „Spaziergänge“, die den SchülerInnen ausgewählte Werke nicht nur intellektuell, sondern auch durch aktivierende „performative Wahrnehmungsübungen“ in ungewohnter Weise näher brachten. Die anschließende, selbstständige Erkundung verschiedener Ausstellungsorte konnte angesichts der Zeit natürlich nicht die gesamte Schau erfassen. Trotz dieser Ausschnitthaftigkeit und einer etwas ermüdenden Busfahrt wird diese Exkursion sicher eine einzigartige, bereichernde Erfahrung bleiben.

Bericht und Fotos: B. Schaible