E.T.A. Hoffmann-Gymnasium Bamberg

Musisches Gymnasium mit Lang- und Kurzform

Vernissage Q12 Kunst

Ausstellungseröffnung

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Ausstellung der Oberstufenkurse eröffnet! Sunset with Skulls lautet der Titel der Abschlussausstellung der Oberstufenkurse Kunst am E.T.A., die am 12.04. 2018 in der voll besetzten Aula der Schule eröffnet wurde. Zu sehen sind Arbeiten aus den drei Kunstkursen, dem Fotokurs, des W-Seminars und des Kunst-Additums, welches traditionell im Mittelpunkt der Schau steht. So ist auch der Titel auf zwei sehr gegensätzliche Themenschwerpunkte zurückzuführen, mit denen sich der Additumskurs in den vergangenen zwei Jahren beschäftigt hat. Totenschädel finden sich in der bildenden Kunst in vielen Epochen. Es war ein Motiv, vor dem man sich stets gruseln sollte! Es war nicht zur Erbauung sondern zur Mahnung gedacht. Es sollte die Menschen in Angst und Schrecken versetzen, denn es erinnerte stets an das unvermeidliche Ende alles Irdischen! In der Ausstellung finden sich viele nachdenklich stimmende Arbeiten, in denen sich die Schüler mit diesem Todes-Motiv und der Vergänglichkeit auseinandergesetzt haben: Anatomische Studien, Keramiken, das Kerzenmotiv, aber auch humorvoll gewendete Beispiele aus der Themenstellung „Rock around the Skull“! Gezeigt wurde zu diesem Thema am Eröffnungsabend auch ein faszinierender Film, der im Rahmen einer Seminararbeit entstanden ist und die Verwandlung des menschlichen Körpers per Body Painting zeigt. Den Gegensatz bildet die Werkgruppe der „Sunsets“. „Wie geht man um mit dem Schrecklichen, dem Endlichen? wie begegnet man ihm, was hält man ihm entgegen? Wo finden wir Trost?“ fragte der Kursleiter Herr Schaible in seiner Eröffnungsrede. Die Antwort: „Humor ist eine Möglichkeit. Aber wie wäre es mal mit etwas Angenehmem? Etwas, bei dem man sich richtig wohlfühlt? Das Gute, Wahre, Angenehme? Aber was ist angenehm? Alle Anwesenden haben es in den letzten Wochen des anbrechenden Frühlings wohl selbst gespürt! Natürlich: Licht und Wärme! Und beides wird gespendet von der Sonne. Schon unsere Vorfahren schätzten, ja verehrten diese Eigenschaften. Vor allem die bäuerlichen Kulturen der Jungsteinzeit wussten um die Notwendigkeit für das Gedeihen der Pflanzen und errichteten Observatorien aus riesigen Steinen zur Beobachtung und Verehrung des Sonnenlaufs. Bei den Ägyptern war die Sonne gar der höchste Gott, den es gleich in verschiedenen Fassungen und Bezeichnungen gab. Atum, Osiris, Horus, Re. Die Sonne schätzen wir nicht nur wegen ihrer angenehmen Wirkkräfte, sondern auch aufgrund ihrer optischen Erscheinung! Ihre schönste Seite zeigt sie, wenn sie untergeht! Ob als göttlich, wie z.B. bei C. D. Friedrich oder als erhaben verstanden wie bei Thomas Moran, einem Maler des amerikanischen Westens, – das Schauspiel lässt niemanden ungerührt, es bewegt uns, ergreift uns! Sonnenuntergänge sind – das wird immer wieder in Studien und Umfragen belegt – tatsächlich das beliebteste Bildmotiv. Sonnenuntergänge fehlen vermutlich in keinem Album mit Urlaubserinnerungen. Gerade diese Beliebtheit und seine verführerische Schönheit wurden dem Sonnenuntergang aber zum Verhängnis. Im 20. Jahrhundert geriet er in die Fänge der Werbung und Kommerzialisierung, wurde schließlich – wie das „Schöne“ überhaupt – als Kitsch bewertet und geschmäht, weshalb sich Künstler nur noch in distanziert-kritischer Weise an dieses Motiv herantrauten! Das Kunst-Additum wollte den Sonnenuntergang rehabilitieren, sich zu ihm bekennen und dem Schrecklichen etwas kraftvoll Schönes entgegensetzen. Und so gaben sich die Schüler auf großen Formaten leidenschaftlich dem Farbenspiel hin. Entstehen sollte der schönste Sonnenuntergang, den man sich nur denken kann! Dazu wurden eigene oder gefundene Fotovorlagen verarbeitet, kombiniert und verändert, so dass es nur noch um Malerei ging. Also doch wieder das Gute, Wahre, Schöne? So völlig ohne Reflexion sollte das Ganze aber dann doch nicht stehenbleiben. Deshalb entstanden Karikaturen, die das Thema wieder humorvoll-kritisch beleuchten!“ Neben diesen Hauptthemen zeigt die Ausstellung noch viele Werke zu den Semesterschwerpunkten Körper, Objekt, Gebauter Raum und Kommunikation. Etliche Arbeiten wie Skizzenbücher, Portfolios oder Filme wurden nur am Eröffnungsabend gezeigt. Auch eine spektakuläre Aktion zum Thema „Massentierhaltung“, bei der eine Schülerin in einem engen Käfig stumm und verängstigt verharrte und sich von den Besuchern anstarren ließ. Darüber hinaus gibt es auch Arbeiten zu sehen, die die Referendare des Kunstseminars in der Mensagalerie präsentieren. „Gestört“ wurde die Eröffnungsrede durch eine Aktion der „Skull Guerilla Group“! In Schwarz gekleidet und mit Totenkopfmasken versehen, mischten sich die Teilnehmer_innen des Kunstadditums wortlos unter das irritierte Publikum, wählten von Zeit zu Zeit Personen aus, die sie stumm aus dem Raum hinaus führten. Am Ende kam auch der Redner an die Reihe. Er konnte dem Publikum nur noch die beschwichtigenden Worte zurufen: „Bewahren Sie Ruhe, bleiben Sie sitzen, alles wird gut, wahr und vielleicht auch schön! Zu den Klängen des berühmten „Capri-Liedes“ wurde er aus dem Saal geführt. Gleiches widerfuhr danach dem Schulleiter, der nur noch mitteilen konnte: „Die Ausstellung ist eröffnet“! Die Schau ist noch bis Ende Juni zu sehen.

Text: B. Schaible

Fotos: Ch. Nießer